Randbemerkungen

Kurz vor der OB-Wahl in Stuttgart einige Randbemerkungen:

Merkel:

Der Besuch der Bundeskanzlerin in Stuttgart hat einmal wieder gezeigt, wie sehr der SWR nicht der Wahrheit, sondern Parteiinteressen verpflichtet ist. Laut SWR Landesschau aktuell kamen Tausende auf den Stuttgarter Marktplatz, um Merkel zu begrüßen, vereinzelt sei es zu Pfiffen und Buh-Rufen gekommen. Dass sowohl die Rede von Turner als auch die Rede von Merkel in einem Pfeifkonzert Tausender empörter Stuttgarter unterging, wurde mit keinem Wort und keiner Andeutung erwähnt.

Wo sind wir in diesem Land, in dieser Stadt hingekommen, dass Tausende Bürger sich so hilflos und ungehört fühlen, dass sie ihrer Empörung darüber, dass Vernunft und Argumente nichts zählen, nur noch mit Schreien und Pfeifen Luft machen können? Das sollte vor allem den Politikern zu denken geben. Mit vielen Marktplatzbesuchern habe ich gesprochen, viele sagten, dass sie eigentlich vor gehabt hätten, still zuzuhören und nicht zu rufen und zu pfeifen. Als Turner und Merkel dann kamen, sei es ihnen aber einfach nicht mehr möglich gewesen. Diese Wut, dieser Zorn auf die Politik musste raus

Turner:

Wie ein populistischer, aggressiver, ja unfairer Wahlkampf aussieht, lässt sich gerade exemplarisch an Turners Plakatierung sehen. Ja, er versteht sein Metier, sein Metier der Werbung, der leeren Versprechungen, der Realitätsverdrehung, der Unterstellung und Illusion. Werbung wirkt – wenn man sie nur massiv genug in die Köpfe derjenigen hämmert, die sich ihr nicht entziehen können oder wollen. Und das macht Turner mit seinen Werbemillionen – und ich bin mir sicher, dass er mit seinen vielen grünen Schreckgespenstern doch noch einige zur Wahl treiben wird, die im ersten Wahlgang nicht wählen waren. Leider.

Kuhn:

Noch immer geistert in den Köpfen vieler Bahnhofsgegner das kleinere Übel herum. Dabei muss man sich gewahr sein, dass Kuhn als kleineres Übel Stuttgart21 bauen will und bauen wird. Wer Kuhn wählt, wählt damit implizit auch Stuttgart21 – zumindest nimmt er / sie in Kauf, dass Stuttgart21 von ihm unterstützt und vorangetrieben wird. Und dennoch wird die OB-Wahl ähnlich wie die Volksabstimmung zu einer Entscheidung für oder gegen Stuttgart21 hoch stilisiert. Und auch die Enttäuschung ist damit vorprogrammiert, denn sowohl Turner als auch der Heiland Kuhn sagen, dass sie S21 realisieren werden. Deshalb ist der Ausgang der OB-Wahl vollkommen unerheblich für das Projekt! Auch wenn Kuhn OB werden sollte, ist es notwendig, auf die Straße zu gehen und gegen die Unvernunft der Politiker zu demonstrieren, gegen die Ignoranz der besseren Argumente, gegen die menschenverachtende, den Tod von Menschenleben in Kauf nehmende Planung des Tiefquertunnelbahnhofs. Denn auch Kuhn hat sich nach der Volksabstimmung dieser unheiligen Allianz angeschlossen.

Die Kirche und das Dorf:

Auch wenn die CDU und besonders Frau Merkel versuchen, uns weiß zu machen, dass die technologische, wirtschaftliche und verkehrliche Zukunft des Landes von Stuttgart21 abhinge, sollte man doch darauf achten, die Kirche im Dorf zu lassen. Es handelt sich um einen Bahnhof, nicht mehr und nicht weniger – jedoch einen Bahnhof, der Infrastruktur zurückbaut und selbst nach 15 Jahren Planung in vielen Aspekten nicht planfeststellbar ist, ohne dass die Kostenobergrenze überschritten wird. Schwierig wird es für Frau Merkel, wenn S21 doch scheitern sollte – was soll dann nur aus Stuttgart, aus Baden-Württemberg, ja aus Deutschland werden?

Stuttgart schreibt hingegen in anderer Hinsicht Geschichte: als erste Stadt in der Bundesrepublik ist passiver Widerstand durch Anketten oder Einbetonieren eine schlimme Straftat, die, wenn es nach unserem geliebten Oberstaatsanwalt Häußler ginge, mit 100 (!) Tagessätzen geahndet würde. Anstatt auch hier die Kirche dort zu lassen, wo sie hingehört, hat sich das Gericht zu 70 Tagessätzen hinreißen lassen – was in der Rechtsgeschichte Deutschlands einer vollkommen neuen Rechtsauffassung entspricht. Es bleibt zu hoffen, dass die Berufungsverhandlung hier wieder so entscheidet, wie es der bisherigen allgemeinen Rechtsauffassung entspricht.

Oben bleiben!

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6 Antworten zu Randbemerkungen

  1. Angela Pastor schreibt:

    Lieber Zwuckelmann, ich weiß, dass ich mich jetzt in die Nesseln setze, wenn ich einem so klugen Mann wie Dir, den ich in diesen zwei Jahren sehr zu schätzen gelernt habe, widerspreche. Ich könnte es auch lassen, weil Du schon jetzt wissen wirst, was jetzt kommt und ich auch weiß, wie Du und viele Deiner Gläsernen-Urne-KollegInnen wegen solchen naiv-grünen Hoffnungsträgern wie mir die Stirn runzeln. Ich schreibe aber doch, denn ich bin verärgert über diese Kuhn-Angstmache und auch diese prophetische Darstellung, er wolle und er werde bauen. Und die leider bei mir etwas abschätzig ankommende Bemerkung über einige S21-Gegner, die „immer noch“ meinen, er sei das „kleinere Übel“. Du wirst lachen, ich geh sogar noch weiter: ich habe bei aller gebotenen Skepsis wirklich und ernsthaft die Hoffnung, dass Kuhn mit dem Druck der Tatsachen, die gerade an jedem Zipfel des Projekts zutage treten, mit all den Mitteln, die er als OB haben wird, alles tun wird, um die unselige und bald nur noch lächerliche Geschichte auf Kosten der Bahn konsequent aus Stuttgart rauskatapultieren wird. Und wir sind in aller gewinnenden Kraft und Überzeugung dabei, aber nicht mit der Drohgebärde, die er schon jetzt vor der Wahl von uns zu spüren kriegt, sondern mit dem überwältigend stürmischen Elan, der auch beim Merkelschen Turnfest der Welt gezeigt hat, wie die wirkliche Stimmung ist – und da kann auch ein SWR nur noch etwas hilflos verfälschen, das ist doch durch alle Ritzen der heutigen medialen Möglichkeiten gezischt! Ich betrachte die kleinen Schritte, die schon geschehen sind und geh jetzt mit der Wahl Kuhns noch einen ganz ganz kleinen weiter. Eure Schritte gehen mir zu schnell, Ihr wollt die Weiche überspringen, das tut einem so schweren Güterzug nicht gut. Die Güter, die er schleppt, sind wertvoll: Einigkeit, Recht, Freiheit, Brüderlichkeit, Schwesterlichkeit, Ehrlichkeit, Respekt, u.v.m. Auf die müssen wir aufpassen. Angst hab ich auch, das ist ja klar, manchmal auch vor uns.

  2. Angela Pastor schreibt:

    Meinem vorigen Kommentar füge ich diesen Verweis auf Heimerls dreist-verlogenen Brief bei, auf den ich über das Parkschützerforum gestoßen bin:
    http://www.parkschuetzer.de/assets/statements/141029/original/LGNPCK.JPG?1350425599
    Brief der IG Bürger, der, wie ich erfuhr, in Briefkästen verteilt wird:
    (…) Das marode Gleisvorfeld hat in kürzester Zeit seine Leistunsunfähigkeit im Praxistest bewiesen und ist durchgefallen (…)
    Stuttgart sicher und schnell umsetzen, S.T. wählen.
    Das wird jetzt ein wichtiger Schritt sein, das richtig zu stellen, aber nicht hier auf unseren hochgeistigen und abgehobenen (gläsernen) Foren, sondern direkt bei den Leuten, die mit solchen Dummdreistigkeiten vermüllt werden.

  3. Angela Pastor schreibt:

    KORREKTUR: nicht Heimerl heißt der oben Genannte, sondern Heinel (ein anderer Heini eben), Vorsitzender der IG Bürger

  4. Peter Laier schreibt:

    Werter Zwuckelmann,
    es ist schon sehr einfältig darauf hinzuweisen, dass auch Kuhn S 21 bauen „will“. Jeder OB ist an Recht und Gesetz gebunden. Kein OB kann den Bau unterbinden. Wir K 21 Befürworter können nur eines tun: Kuhn wählen, vo dem wir uns eine wirklich kritische Haltung zu S21 wenigstens erhoffen können. Alle Nichtwähler einschließlich der dümmlichen „Gläserne Urne“- Wähler, wählen automatisch den skrupellosen S21 Befürworter Turner. Auch alle Stimmen für andere Bewerber sind verlorene Stimmen, die Turner zu Gute kommen.
    Es hilft nur eines : Kuhn wählen, auch wenn’s weh tut

    • horstosius schreibt:

      Hallo P.Laier,
      jede Stimme, die einem anderen Kandidaten als Turner oder Kuhn gegeben wird, ist keineswegs verloren. Der Wähler hat von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen und wählt den Kandidaten seiner Wahl und nicht das kleinere Übel.
      Es hilft nun wirklich nicht Kuhn zu wählen, um S21zu verhindern. Er ist wie Turner gepolt, nur im grünen Mäntelchen. Denn wie sonst kann er wie Turner auch, im gestrigen Interview in der Stg. Zeitung behaupten: Die Bahn hat nach der VA vom 27.11.2011 Baurecht. Als hätte das“Volk“-abgesehen von Quorumsproblematiken usw.- das Recht über Baurecht zu entscheiden. Es stand JA/NEIN zum Ausstieg des Landes aus finanziellen Gründen an. Verklausuliert natürlich. Wie alles bei dem Projekt. Kuhn will OB werden und verspricht bis zu seiner Wahl alles. Nach der Wahl zieht er das grüne Mäntelchen aus, weil es ihm zu heiß wird. Das kennen wir ja schon von der letzten Wahl.
      Also bei beiden Kanditaten hilft zum Stopp des MurkS21 nur das eigene Versagen der Bahn“AG“. Und das bleibt die dringlichste Aufgabe für die nächste Zeit, die bornierte Blödheit der Bahnakteure Bundesmedial anzuprangern.( In Stuttgart und Umgebung glauben leider die meisten ja immer noch an das Sandmännchenduo Kefer&Dietrich).
      Grüße horstosius

  5. Kornelia schreibt:

    Also, ich möchte mal dringend eins loswerden: eine meiner 50 Gründe, warum ICH im Regen stehe ist und war: ich hatte die Schnauze voll, immer nur von Politikern, Journalisten, sog.Experten wie eine dümmliche, emotionslose Schachfigur besprochen zu werden (die Bürgerinnen und Bürger verstehen das nicht….) deswegen hören wenigstens WIR hier in der Bewegung auf mit den Füssen auf andere zu treten…..(übrigens finde ich es auch nicht besser wenn die Tunnelaner auf unsere gesellschaftl. Ebene so behandelt werden, denn es fördert Trotz, denn wer will sich in unserem Bildungsland schon als blöd bezeichnen lassen!!) Meine Sparing-Partner sind die als es um Macht, Position und Geld-werten Vorteil ging „hier“ geschrien haben, Politiker, Journalisten, sog. Experten, und scheinbare Chefs der Bahn!! und auch Verwaltungen (die wie ich am WE erfahren konnte zwar unter der Flagge von Stadtplanung liefen, aber auf die Frage: ja wo ist denn in diesem Beton- Chaos Planung? mit: dafür sind wir nicht zuständig!! antworteten)
    Ich sag an dieser Stelle immer: in dem Moment, wo ich einen Button trage bin ich in der Erklärungsebene: ich stand nach der VA an der MW und habe gearbeitet und Antworten gegeben…. wo waren da die Grünen, die SPDler, die Ja-Sager? Ich wollte diese VA nie, habe sie aber mitgetragen und mitverantwortet…. tag täglich muss ich mir diese scheiss VA um die Ohren hauen lassen (was ich den Parteien ganz arg ankreide, denn so wird nach und nach Demokratie ausgehöhlt… warum sollten demnächst Bürger überhaupt noch etwas machen?)…. da hätte ich auch gern ein PR der Grünen (ähnlich dem Papier der Widerspruchserklärung… Argumentationshilfen :-))

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