Jetzt also die Bäume am KKST

Es hupt und hupt und hupt. Es ist keine Autohupe, sondern eine wie im Stadion, die in kurzen Schüben Lärm macht. Es ist 6:30 Uhr früh, der Morgen graut. Ich sitze in der Küche und höre diese Hupe. Sie macht mir ein schlechtes Gewissen und mir wird schlecht. Jeder Stoß der Hupe klagt, klagt an. Aber ich kann noch nicht! Ich weiß, dass H. mit einigen anderen Mitstreitern am Königin-Katharina-Stift Gymnasium steht und zusieht, wie dort die Bäume auf dem Schulhof gefällt werden. Eine riesige, alte Platane wird auch dabei sein. H. hupt unablässig, er hupt und hupt und hupt, um dagegen zu protestieren. Es zerreisst mich, ich will mir nicht schon wieder das alles anschauen und anhören, wie riesige alte Bäume unter lautem Krachen und Knacken wie Streichhölzer gefällt werden und heute Abend bereits gehäckselt sind. Nur dass diese Streichhölzer teilweise über Einhundert Jahre dort standen.

Die Bäume auf dem Pausenhof werden gefällt für den Nesenbachdüker, dessen Bau noch gar nicht genehmigt ist. Gefällt wird trotzdem, als wäre die Genehmigung eine reine Formalität. Auch technisch ist der Nesenbachdüker keine Lapalie, kein Standardeingriff. Der Bau ist hochriskant und dringt genau hier, neben der Schule, am tiefsten in den Stuttgarter Untergrund. Nicht umsonst wurde diese Schule im vergangenen Jahr für mehrere Millionen „renoviert“. Besser würde man wohl sagen „stabilisiert“. Schon häufiger wurden im Untergrund Dolinen gefunden, riesige Hohlräume. Der Stuttgarter Untergrund ist unberechenbar.

Schließlich muss ich zur Arbeit, komme doch am KKST vorbei und schaue mir das Drama für einige Minuten an. Ein Bagger reißt dem Baum die Äste weg, die Kettensägen laufen ohne Unterlass. Dann fängt es an zu regnen – das passende Wetter für diesen Tag, denn auch am Mönchhaldenweg wird zur gleichen Zeit gefällt.

Bilder vom KKST, 29.10.2013 7:30 Uhr:

Oben bleiben!

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18 Antworten zu Jetzt also die Bäume am KKST

  1. Rabin schreibt:

    😦 Abgesehen davon, dass ich da echt an mich halten muss. Um was handelt es sich beim Nesenbachdüker?

    • zwuckelmann schreibt:

      Rabin, der Nesenbach fließt unterirdisch durch die Stuttgarter Innenstadt direkt am Katzenstift vorbei unterm Schlossgarten hindurch. Die Gewässer im unteren Schlossgarten werden wohl teilweise von ihm gespeist.
      Wegen des Bahnhofs muss für den Nesenbach ein Düker gebaut werden: dazu stürzt der Bach direkt neben dem Katzenstift in einen tiefen Schacht (ich weiß gar nicht genau, wie tief der Düker sein wird, 15 bis 20 Meter, glaube ich), um dann langsam aber stetig unter der Straße und dem neuen Bahnhof hindurch aus eigener Kraft wieder aufzusteigen.

  2. Pingback: Wichtige Infos | Bei Abriss Aufstand

  3. DEMOSCHLAMPE schreibt:

    das die verbrcher weitermachen ist ja klar ich bin entsetzt darüber. nun immer kann ich nicht mehr dabei sein .
    aber bedenkt einmal die das bürgerbegehren unterschreiben und wenn wir es verlieren dann können wir mit den demos aufhöhren und das wollen aus unserer bewgung einge und arbeiten darauf hinaus . seit schlau und bedenkt dann hat die bahn freie fahrt fürs bauen.
    und das ist so
    demoschlampe

  4. DEMOSCHLAMPE schreibt:

    nun ging eine zweite ähra zu ende wir sollten auch diese nicht vergessen die alte münze stuttgart hat ihre pforten für immer geschlossen sie war in der schwulensezen und auch in unserer bewegung gut bekannt man konnte hinein gehen wund war willkommen man durfte auch um sonst die toiltte benuzen das war immer gut es hat keiner gefragt und geld nein. es ging auch ohne geld jetzt blicke ich gerade darauf zurück . als der park gereumt wurde hatte sie länger offen und auch in guten zeiten sie war da .und da möchte ich dem ganzen team von herzen alles gute für die zukunft wünschen
    wir bleiben weiter oben auch ohne münze stuttgart.
    demoschlmpe

  5. menschbleiben schreibt:

    Hat dies auf menschbleiben rebloggt und kommentierte:
    Die Bäume auf dem Pausenhof werden gefällt für den Nesenbachdüker, dessen Bau noch gar nicht genehmigt ist. Gefällt wird trotzdem, als wäre die Genehmigung eine reine Formalität. Auch technisch ist der Nesenbachdüker keine Lapalie, kein Standardeingriff. Der Bau ist hochriskant und dringt genau hier, neben der Schule, am tiefsten in den Stuttgarter Untergrund. Nicht umsonst wurde diese Schule im vergangenen Jahr für mehrere Millionen “renoviert”. Besser würde man wohl sagen “stabilisiert”. Schon häufiger wurden im Untergrund Dolinen gefunden, riesige Hohlräume. Der Stuttgarter Untergrund ist unberechenbar.

  6. u1man schreibt:

    Gibt es eine Erklärung dafür, dass weder Eltern, Schüler noch Schulbedienstete zum Protest erschienen sind?
    Der Düker ist der heikelste Bauabschnitt:
    http://www.bei-abriss-aufstand.de/2013/06/18/presseerklarung-nesenbach-duker-seit-gestern-fertig/
    Und nochwas zum S21-Prinzip:
    Der Bauablaufplan hat jetzt andere Prämissen: gebaut wird, was Kosten verursacht, die Gegner demoralisiert, nach gegessenem Käs riecht und wo es keine juristischen Einspruchsmöglichkeiten gibt.
    Deshalb 3. und 4. Bürgerbegehren:
    http://www.storno21.de
    http://www.leistungsrueckbau-21.de

  7. PeterPan schreibt:

    Die Kids haben Herbstferien und werden das Debakel erst danach zu sehen bekommen, sofern sie nicht zufällig an ihrer Schule vorbeikommen.

  8. Arnold schreibt:

    Wenn die Bahn schon nicht in der Lage ist genehmigungsfähige Pläne vorzulegen, so will sie wenigstens tun was sie kann. Bäume fällen geht, solange noch Bäume stehen immer.
    Irgendwie erinnert mich diese Taktik an Kriegsführung. In Vietnam standen die Amerikaner ähnlich hilflos vor den Verstecken des Vietkong. Die großflächige Entlaubung des Dschungels zertörte eines der artenreichsten Gebiete der Erde; sinnlos.
    Diese Baumaßnahme wird fast nur Verlierer hinterlassen. Lediglich einige Bauunternehmen und eventuell einige Grundstücksspekulanten werden sich eine goldene Nase verdienen.
    Ach ja und einigen Parteien wünsche ich, dass sie an den Bestechungsgeldern ersticken.

  9. Jan Michael schreibt:

    Warum fällt keiner die Verantwortlichen für derart dumm-arrogante Zerstörung unser aller Lebensgrundlage. Diese Leute sind gezeichnet von niveaulos brachialem „Verstand“ und äusserst primitivem Duktus. Wann befreit man diese Gesellschaft und uns, die die Sensiblität und Weitlicht besitzen sich berechtigte Sorgen und Gedanken über die Zukunft zu machen, endlich von diesen Zerstörern? Gäbe es eine RAF zum Wohle von Natur undTiere, ich wäre sofort dabei!

    • Arnold schreibt:

      Die „Verantwortlichen“ sind ja noch nicht einmal die Urheber. Herrenknecht, LBBW und Co bezahlen die Parteien damit sich diese für „30 Silberlinge“ die Hände schmutzig machen. „Fällt“ man die Verantwortlichen werden umgehend neue gepflanzt die nahtlos weitermachen.
      Das ist wie eine Hydra.

    • Arnold schreibt:

      PS: Die RAF ist auch gescheitert weil sie diese Hydra unterschätzte. Zum Einen haben sie auch nur „verantwortliche“ Handlanger getötet. Zum Anderen wurden sie von den Medien erfolgreich zu Volksfeinden stilisiert. Nur wer im Auftrag des Geldes tötet wird zum Helden und Friedensnobelpreisträger

  10. Inge schreibt:

    Ich kann nur sagen es ist ein Frevel was hier in Stgt passiert. Stadtzerstörung! Alle Politiker schauen zu! Keiner macht den Mund auf. Kretschmann hat die Richtlinienkompetenz. Es geht jedem egal welcher Couleur um sein Pöstchen und wir dummen Steuerzahler müssen ohnmächtig zusehen. Eine Schande!

  11. Pingback: Baumfällungen beim Königin-Katharina-Stift | SchaeferWeltWeit.de

  12. Montagsdemonstrantin schreibt:

    Wer ergründen möchte, warum das alles so ist, dass wir argumentieren, beweisen, warnen, an Verstand und Vernunft appelieren, die … aber einfach nicht hören, nicht hören wollen, das auch gar nicht für nötig erachten und uns scheinbar ohnmächtig – ohne Macht – dumm dastehen lassen, uns eine lange Nase ziehen und einfach so weitermachen, als ob überhaupt kein Veto, kein Argument, kein Nachweis, kein Widerstand vorhanden sei -da ist die Deutsche Bahn AG mit der Politik, den Politikern von Grün und Rot und denen von Schwarz sowieso gemeint – dem sei das Buch von Robert Schmittmann empfohlen: „Sie sollen nicht ungeschoren davonkommen“, erschienen im Peter Grohmann-Verlag.

  13. horstosius schreibt:

    …..Dummheit und Stolz sind geschnitzt aus einem Holz…..was sagt uns das…
    So sagt uns Stuttgarts Tourismus“abgeordneter“, daß der Blick in die S21-Baugrube(n) tausende und abertausende ja gar millionen von Touristen anlocken würde, wenn denn nur ordentlich Reklame dafür gemacht würde. Und der „neue“ OB nimmt diesen Schmarren auch noch ab, und gibt weiter Gelder frei für Gerlindes und Winfrieds „Tunnel“-Blick. Der „Düker“-Blick bringt der Bahn AG vielleicht noch ein paar Extragroschen ein, wenn auf Stadtkosten noch eine 2.te Schau(er)tribühne a 60 000 !!!!!€ aufbauen läßt. Einfach „Schauer“lich die verblödete Arroganz unsrer „Elite“ so hautnah -aufoktruiert- erleben zu müssen. Die Stuttgarter Bevölkerung darf ihre jämmerlichen Ersatzbäumchen irgendwo im Umland entdecken, die Touristen dagegen sollen den größten Unsinn der Stadtgeschichte, die malträtierten Parkanlagen erleben, um den Charme dieser Aussicht in aller Welt zu verkünden. Dass mit Unsinn auch das BIP gesteigert werden kann, wird auf Druck der IHK auf der Rückseite der Eintrittstickets eine Erwähnung finden müssen.
    ……. wenn dies nicht alleine so unendlich peinlich wäre……nein dies alles noch auf Kosten der Allgemeinheit, des gemeinen Steuerzahlers in diesem Jahrhundert…..nicht im letzten oder vorletztem oder noch früher wo vieles üblich war, aber für die Nachwelt Sinn gemacht hat.

    .

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