Spiel mit dem Feuer

Acht Personen pro Quadratmeter, das ist die Menschenmenge, die die Bahn in ihrem verbesserten Brandschutzkonzept für den Tunnelbahnhof S21 als „unkritisch für eine Evakuierung“ ansieht. Das lese ich heute morgen in der StZ  und reibe mir ungläubig die Augen. Acht Personen pro Quadratmeter!

Ich nehme ein Maßband und lege es auf den Küchenboden. Mein Kachelboden in der Küche besteht aus quadratischen Kacheln mit 25 cm Seitenlänge, jetzt weiß ich das auch 🙂 Also sollen acht Personen in ein Quadrat mit einer Seitenlänge von jeweils vier Kacheln passen. Ich stelle mich in den ausgemessenen Quadratmeter und staune. Im Brandfall rechnet die Bahn damit, dass ich und jeder andere „unkritisch“ auf zwei Küchenkacheln Platz finden. Wohlgemerkt soll ich in diesen zwei Kacheln nicht etwa stehen, sondern mich noch irgendwie in eine Richtung bewegen, ohne dass es zu Stockungen kommt. Wie das gehen soll, ist mir schleierhaft. Ich habe keine Jacke an, habe keine Tasche umhängen, keinen Rucksack auf dem Rücken und bekomme allein bei dem Gedanken an das Gedränge bei acht Personen auf dieser Fläche Beklemmungen. Ich glaube auch nicht, dass man viel mehr als acht Leute überhaupt auf einem Quadratmeter unterbringen kann! Es handelt sich also um ein echt enges – nach Angaben der Bahn jedoch unkritisches – Gedränge.

Ich erkundige mich im Internet, welche Menge denn normalerweise angenommen wird. Acht Personen pro Quadratmeter scheint das Maximum für Stehplätze in manchen Verkehrsmitteln zu sein, normalerweise geht man jedoch von maximal der Hälfte, also vier Personen pro Quadratmeter aus. Acht Personen pro Quadratmeter – das mag vielleicht in einem Fahrstuhl gelten oder auch in mit Skifahrern oder Wanderern vollgepackten Seilbahnen. Wie man auf die Idee kommt, dass eine solche Masse sich noch unkritisch, also geordnet in einem Brandfall in eine Richtung bewegen können soll, Treppen steigen und durch Brandschutztüren strömen soll, ist mir rätselhaft.

Am liebsten würde ich Grube, Kefer, Penn, Ramsauer, Kretschmann, Kuhn, Merkel und vielleicht noch unsern untersetzten Mappus in ein solches Quadrat zwängen und dann zusehen, wie sie in einem solchen Gedränge vor einem Feuer fliehen wollen, ohne das auch nur einer ins Straucheln kommt.

Dass das überarbeitete Brandschutzkonzept wieder nicht abgenommen werden kann, wird wie gewohnt keine Auswirkungen auf den Bau des Bahnhofs haben. Der ist ja schließlich im PFA 1.1 planfestgestellt und das Brandschutzkonzept offenbar nur eine irgendwie zu lösende Formalität. Zur Not baut man dann eben noch ein paar Treppen und Aufzüge ein oder dreht an sonstigen Parametern in der Hoffnung, dass diese unrealistischen Annahmen niemand bemerkt. Was für ein Murks! Und was für ein unglaubliches, milliardenschweres Spiel mit Menschenleben!

Oben bleiben!

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12 Antworten zu Spiel mit dem Feuer

  1. nobody schreibt:

    HALLO! 25cm seitenlänge sind 16 kacheln pro QM,nicht vier!

  2. nobody schreibt:

    du schreibst: Also sollen acht Personen in ein Quadrat aus jeweils vier Kacheln passen.
    das ist nicht „undeutlich“ sondern deutlich falsch…

  3. BowiWowbagger schreibt:

    @Nobody: Ich habe leider deinen Kommentar zu spät gesehen. Behaupte auch, es sind 16 Kacheln. Bei 4 Kacheln pro Quadratmeter wären diese jeweils 50 cm breit. Zu allem anderen 100 % Zustimmung.

    Zwuckelmann ‏@zwuckelmann 1h

    Spiel mit dem Feuer #s21 http://wp.me/p1LrOo-18B

    Kurzfassung anzeigen
    Daniel B. ‏@drkrausmeister 13m

    @zwuckelmann kl korrektur, du hast 4 kacheln um au 1 qm zu kommen aber das ändert nichts daran das es unmöglich ist 8 personen auf 1 qm
    Öffnen
    Bowerick Wowbagger ‏@BowiWowbagger 7m

    @drkrausmeister @zwuckelmann Ich mische mich vorsichtig ein und behaupte, es sind 16 Kacheln: L: 4 a 25 cm, B: 4 a 25 cm = 4 x 4 = 16
    Öffnen
    Bowerick Wowbagger ‏@BowiWowbagger 6m

    @drkrausmeister @zwuckelmann Pro Nase also 2 Kacheln, das stimmt.
    Öffnen

  4. BowiWowbagger schreibt:

    @Zwuckelmann: Es geht nur um diesen Satz:
    >> Also sollen acht Personen in ein Quadrat aus jeweils vier Kacheln passen. <<

  5. horstosius schreibt:

    …….ob 8, ob 6 oder gar wie üblich nur 4 Reisende pro qm, ändert doch nichts an der Tatsache, dass die bewusst verschleierte, vorgestellte Grafik mit dem grauen Glasverhau mitnichten in das hochgelobte Architekturkonzept von Ingenhoven passt. Ob er es je zu Gesicht bekommen hat ist anzuzweifeln. Es funktioniert weder ästhetisch, noch behindertengerecht gar als Fluchtweg.
    Nicht präsentiert dabei: zu den Lichtaugen noch Rauchklappen und Entrauchungsrohre… igitt, igitt.
    Hauptsache „getunter“ power point für den Gemeinderat, mehr und nicht weniger sollte dies bedeuten „wir tun was für’s Geld, das wir (als Ausstiegskosten schon mal vorhergelogen) von euch erhalten“….. Sandmännchen ist unterwegs….da fällt mir dann noch Grubes Sprüchlein vom September 2010 ein: „Das ist ein Geschenk an die Stadt Stuttgart“……
    „Murks“ schön verpackt, neben Kretschman&Co -als JA/NEIN Stuttgarter- haben selbst bis heute die Gemeinderäte noch nicht begriffen, welch tolles Geschenk sie über mindestens 120 Monate, Monat für Monat so auspacken dürfen bzw. müssen, falls der Sand -notfalls mit mediziner Hilfe- nicht bald aus deren Augen gerieben wird.

  6. Beobachter schreibt:

    Ich verstehe die Aufregung nicht.
    Wenn die Fluchtwege so ausgelegt sind, dass sogar 8 Personen pro qm in der vorgegebenen Zeit evakuiert werden könnten, hier aber dargelegt wird, dass 8 Personen gar nicht auf einem qm Platz finden würden, müssen ja praktisch auch nur weniger Personen evakuiert werden.

    Díe Fluchtwege reichen also sogar aus, wenn die Reisenden wie die Ölsardinen auf dem Bahnsteig stehen WÜRDEN – dann reichen diese in der Realität erst recht, da eine solche Ansammlung gar nicht zu erwarten ist.

    • zwuckelmann schreibt:

      Ihr Kommentar ist zynisch!

    • ElisabethHD schreibt:

      Dumm oder zynisch, das ist hier die Frage. In dem StZ-Artikel steht:
      „Auch die im Bahn-Gutachten noch als unkritisch angenommene Anzahl von bis zu acht Personen pro Quadratmeter bei der Simulation einer Evakuierung des Tiefbahnhofs sehen die Brandschützer als zu hoch an.“
      Die Fluchtwege sind eben NICHT ausreichend. Und deshalb kann es passieren, dass an Engstellen acht Personen auf einen Quadratmeter kommen. Platz finden die dort tatsächlich nicht.
      Falls Sie sich nicht vorstellen können, was passiert, wenn eine zusammengequetsche Menschenmasse zu einem Ausgang will, googeln Sie doch einfach mal „Loveparade“ und „Duisburg“

  7. Arnold schreibt:

    Als nochmal 8 Menschen pro qm sind 0,125 qm pro Person. Ich bin nicht besonders groß, aber ich messe 46 cm Schulterbreite x 30 cm Schuhlänge gibt 0,138 qm. – Ich muss also geschichtet stehen: Rechne also 27cm Brustkorbtiefe (zum Glück ragt der Bauch noch nicht heraus) x 46 cm Schulterbreite ergibt 0,1242 qm. Wenn ich unterwegs bin habe ich immer eine Tasche dabei da sind unter anderem Geldbeutel und Ausweis drin diese Tasche würde ich auch im Brandfall immer mitnehmen. Zudem ist auf einem Bahnhof immer damit zu rechnen, dass Koffer herumstehen oder mitgeführt werden. Ich vermute desweiteren, dass irgendwo auf dem Bahnsteig dann auch Kofferkulis oder verlassene Kinderwägen herumstehen. Gerade Kinderwägen : Was macht eine Frau mit Kinderwagen im Notfall? Ich würde sagen sie schiebt den Kinderwagen bis zur Treppe und lässt ihn dort stehen. Und genau an dieser Stelle wird der eine oder andere Koffer stehen bleiben.
    ….. Wenn die Bahn Geld sieht, geht sie über Leichen.

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