30.10.2011 #s21 Brot und Spiele wirken noch heute – lasst Euch doch nicht verarschen!

Zu Caesars Zeiten sorgten die Machthaber für Ruhe in der Bevölkerung, indem sie die Bürger ablenkten. Es gab Brot und Spiele, so war die Bevölkerung satt und abgelenkt und rebellierte nicht gegen Ungerechtigkeit und Unfreiheit.

Auch wenn es heute nicht mehr um Unfreiheit geht und das Maß der Ungerechtigkeit genauso wie die Gefahr eines Aufstands doch deutlich geringer ist als damals, wird das Prinzip heute noch angewandt – und es wirkt immer noch! Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die Menschen irgendwann klug werden und nicht mehr auf die Beruhigungspillen der Mächtigen hereinfallen – aber Geschichte wiederholt sich genauso wie sich Fehler wiederholen.

Was hat das alles mit Stuttgart21 zu tun? Nun, wenn man sieht, mit welchem Elan und mit welcher Verve die Gegner des Bahnprojekts sich auf die Volksabstimmung werfen, mit welcher Kreativität und mit welcher Zuversicht geplant, gemacht und getan wird, könnte man meinen, es gäbe tatsächlich etwas zu gewinnen. Dabei wissen wir alle, dass wir die Volksabstimmung schon verloren haben, noch bevor sie ins Leben gerufen wurde. Selbstverständlich ist es wichtig, ein deutliches Zeichen zu setzen und zu versuchen, so viele Ja-Stimmen wie möglich zu erreichen. Das Quorum wird aber nie und nimmer erreicht werden – und die heutigen Machthaber haben bereits mehrmals klar artikuliert, was das heißt: die Volksabstimmung gilt als verloren.

Dieses Faktum müssen wir nicht nur im Hinterkopf haben, sondern es muss uns präsent sein und wir müssen das auch immer und immer wieder deutlich sagen! Wir dürfen uns nichts vormachen, müssen realistisch bleiben. Bei Infoständen, in der Öffentlichkeit, auf Montagsdemos muss immer wieder deutlich werden, dass wir bei der Abstimmung mitmachen, obwohl wir wissen, dass sie unfair und nicht zu gewinnen ist. Denn wenn wir das nicht machen, sieht es so aus, als rechneten wir uns tatsächlich ernsthafte Chancen aus – und stilisieren so selbst die Volksabstimmung zu einer legitimierenden Abstimmung über Sein oder Scheitern von Stuttgart21! Damit fallen wir auf genau das ewige Spiel der Mächtigen hinein! Wir spielen ihr Spiel, spielen nach ihren unfairen Regeln, anstatt selbst die Regeln vorzugeben! Wir verhalten uns genau so, wie es die Mächtigen immer wieder wollten, fallen immer wieder auf sie herein. Gib dem Volk Spiele und einen Knochen, an dem es nagen kann und sich die Zähne ausbeißen kann, dann ist es beschäftigt und merkt nicht, dass es übergangen wird!

Wir alle wissen doch auch, wie es dann weitergehen wird, dazu muss man kein Hellseher sein: das Aktionsbündnis wird das Wahlergebnis wie die Großkopferten analysieren, sich streiten, wie es zu interpretieren sei und was es denn nun hieße, denn eigentlich sind wir ja die Gewinner, auch wenn wir defacto verloren haben. Während dessen werden die Befürworter des Tunnelbahnhofs darauf bestehen, dass laut Verfassung die Volksabstimmung gescheitert sei (und sie haben Recht!) – und es wird einfach weitergebaut werden. Dann vielleicht sogar in einem ordentlichen Tempo und nicht derart lahm, wie wir es bisher erlebt haben. Und auch, wenn es nicht notwendig sein sollte, solange das GWM noch nicht vollständig funktionsfähig ist, wird man den Park in einer Nacht- und Nebelaktion möglichst bals räumen und Fakten schaffen, um dem Widerstand klar zu machen, wo der Hammer hängt. 

Nicht, dass ich missverstanden werde: die Volksabstimmung ist wichtig, ist wichtig für uns und setzt durchaus ein Zeichen, wenn wir sie deutlich gewinnen sollten. Aber ich warne davor, sich von dieser Volksabstimmung irgendetwas zu erhoffen. Wir dürfen uns nichts vormachen, das haben wir mit „Schlichtung“ und „Stresstest“ bereits oft genug. S21 steht und fällt mit dem Protest auf der Straße, mit zivilem Ungehorsam und deutlichen Zeichen des Widerstands! Wir werden nur gewinnen, wenn wir jeden Tag und immer und immer wieder auf die Straße gehen!

Das ist auch der Grund dafür, warum ich morgen früh noch vor Sonnenaufgang wieder am GWM stehen werde, denn ich falle nicht auf die Volksabstimmung herein! Ich spiele nach meinen Regeln, und die heißen ziviler Ungehorsam, stören und unbequem sein!

Oben bleiben!

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