Die #StZ glaubt tatsächlich, dass die „bedrohlich wirkenden“ Emails der Grund für Azers Rücktritt seien, das #StN Interview mit Azer ist eher entlarvend als erhellend #s21

Ein weiterer Beweis meiner gestrigen Medienkritik an der StZ: Heute veröffentlcht die StZ einen Artikel, der darauf hinweist, wie schlimm die Verhältnisse sein müssen, wenn jetzt schon Spitzenpersonal  wie Azer wegen Drohungen zurücktritt (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-hany-azers-ruecktritt-drohungen…

Liebe StZ, lieber Thomas Braun, natürlich ist es schlimm, dass Personen, die im Rampenlicht des öffentlichen Lebens stehen, bedroht werden. Allerdings glauben Sie doch wohl selbst nicht, dass diese – wie Sie schreiben – „bedrohlich wirkenden“ Briefe und Emails der tatsächliche Grund für Azers Rücktritt sind!!! Allein die Formulierung „bedrohlich wirkend“ lässt viel Raum für Interpretation – wahrscheinlich habe ich auch schon bedrohlich wirkende Emails erhalten. Herr Azer ist bekanntermaßen ein Charakter, der immer mit Drohungen und Anfeindungen lebte – immerhin hat er bewusst angeeckt und keine Konfrontation gescheut. Allein dadurch macht er sich nicht unbedingt bei allen beliebt. Aber anstatt die Begründung von Herrn Azer kritisch zu hinterfragen, wird sie einfach für bare Münze genommen. Kritischer Journalismus? Wieder Fehlanzeige! Immerhin berichten Sie, dass es bisher noch zu keinen tätlichen Übergriffen gekommen ist. Danke wenigstens dafür!

Aber warum versuchen Sie nicht, das gesamte Bild zu zeichnen? Immerhin hat Herr Azer Anfang des Jahres einen sogenannten „Brandbrief“ an den Bahnvorstand geschrieben, der zahlreiche Mängel und Risiken bei S21 aufzeigt. Auch wenn die Bahn diesen Vorgang klein redete, ist es in Ihrem Bericht keine Erwähnung Wert. Dass am Tag nach Azers Rücktritt der Züblin-Chef verlauten lässt, dass ein Bau von S21 möglich ist, wenn Geld keine Rolle spielt, zielt doch genau in dieselbe Richtung des Brandbriefs. Hier muss man sich doch einfach einmal getrauen, 1 und 1 zusammenzuzählen! Herr Azer hat darüber hinaus einen guten Ruf in der Branche zu verlieren. Ist es nicht viel naheliegender, dass Azer keine Lust darauf hat, gegebenenfalls doch zu scheitern? Entweder scheitert das Projekt gänzlich. Dann hätte Azer viel Zeit für nichts investiert, denn ein nicht gebauter Bahnhof bringt kein Renommee. Oder der Bahnhof wird gebaut, bringt aber tatsächlich Probleme mit sich, die heute schon vorhersehbar sind und nur mit viel Geld bewältigt werden können. Auch dann ist es kein Glanzstück und sicher nicht mit viel Renommee verbunden, wenn der Bahnhof weitere Milliarden verschlungen hat. Dann wird Azer in die Geschichtsbücher eingehen als Planer, der nicht ordentlich planen kann. Beides sind nun nicht gerade unwahrscheinliche Szenarien. Aber, liebe StZ und lieber Tomas Braun, wir sind von Ihnen ja nichts anderes gewohnt, als unkritisch und unreflektiert über die Vorgänge rund um Stuttgart 21 zu berichten. Das machen Sie aber immerhin ganz großartig!

Update: die StN bringt heute ein Interview mit Azer zu seinen Rückzugs-Gründen (http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-azer-wirft-nicht-das-handtuch.9c1fe574-9d70-4dd1-9b9c-23fa2cd46285.html). Wirklich erhellend, was nun die Gründe sind, ist das Interview nicht. Es seien nicht die Anfeindungen, es seien nicht die unkalkulierbaren Kosten und das Handtuch schmeisse er schon gar nicht … aber was ist es denn dann? Journalistische Aufklärung? Klar, Fehlanzeige! Außerdem wundert sich Herr Azer, dass er in Berlin noch toll kommunizierte und seine Kommunikation hier gar nicht wahrgenommen wurde. … Hm, lieber Herr Azer, ehrlich gesagt, habe ich Sie hier in Stuttgart auch überhaupt nicht wahrgenommen, nicht wahrnehmen können. Haben Sie überhaupt irgendwie nach außen kommuniziert? Und finden Sie Ihre Antwort auf die Frage, ob 2008, als Sie das Projekt übernommen haben, das Projekt nicht bereits ziemlich fertig geplant war, nicht extrem entlarvend? Es heißt doch immer, dass 15 Jahre geplant wurde. Und nun sagen Sie, dass im Jahr 2008, also vor nicht einmal vier Jahren, vieles noch überhaupt nicht geplant war! Puh, das lässt einmal mehr an der Bahn und an dem Projekt zweifeln.

(Zitat: Als Sie am 1.April 2008 kamen, war S 21 größtenteils fertig geplant, oder?

Das trifft nicht zu. Ich habe 2008 keine vertiefte Planung vorgefunden. In den Jahren zuvor ist sicher landauf, landab sehr viel über das Projekt diskutiert und informiert worden – aber die konkrete Umsetzung? Da gab es viele weiße Flecken auf der Karte. Ich musste zum Beispiel zunächst eine junge Mannschaft aufbauen, Verantwortung und Aufgaben verteilen und mich selbst parallel tief ins Projekt einarbeiten. Damals standen 5000 Leitz-Ordner mit Unterlagen vor mir.)

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4 Antworten zu Die #StZ glaubt tatsächlich, dass die „bedrohlich wirkenden“ Emails der Grund für Azers Rücktritt seien, das #StN Interview mit Azer ist eher entlarvend als erhellend #s21

  1. observer schreibt:

    Zwuckelmann hat offensichtlich nie die bedrückende und schwierige Erfahrung gemacht mit anonymen Drohungen leben zu müssen. Als Unschuldslamm würde er nie anderen anonym drohen, wenn aber andere das tun, befindet er , daß das Oper quasi selbst schuld sei. Das ist nur noch eckelig.Aus gutem Grund werden anonyme Drohungen -sofern nachweisbar- sehr hart bestraft.

  2. Zwuckelmann schreibt:

    @observer: ich verurteile anonyme Drohungen genauso wie Sie! Ich wünsche es auch niemandem, derartige Erfahrungen zu machen. Mir geht es hier aber doch gar nicht darum, zu leugnen, dass Azer bedroht wurde. Mir geht es vielmehr um die Berichterstattung darüber. Denn die Presse tut so, als ob diese Drohungen der Grund dafür gewesen seien, dass Azer die Projektleitung abgegeben hat. Azer selbst sagte, dass man diese Drohungen nicht zu hoch hängen sollte. Die Presse, in erster Linie die Stuttgarter Zeitung, ignoriert aber seine Äußerung und das und nur das ist es, was ich verurteile, denn es kriminalisiert den Widerstand gegen Stuttgart 21 in einer Weise, die genauso wenig redlich ist wie die anonymen Drohungen selbst. Ich will Herrn Azers Situation nicht schön reden, er hatte hier sicher keine angenehme Zeit – mir geht es aber wie gesagt darum, wie die Presse hier einzelne Aspekte überbetont und andere, die vielleicht auch ein Grund für den Rücktritt gewesen sein können, vollkommen, wirklich vollkommen ignoriert.

  3. Weiterbauen schreibt:

    @Zwuckelmann Vielen Dank für die weiteren Belege Ihrer einseitigen Sichtweise. Sie leugnen nicht, dass er bedroht wurde, verurteilen die Berichterstattung darüber und fordern im nächsten Artikel gleich wieder dass die Presse kritischer Begleiten soll. Müsste lachen, wenns nicht so traurig wäre.

  4. Zwuckelmann schreibt:

    @Weiterbauen: Lesen Sie doch bitte genauer!

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