15.03.2011 #s21 #akw Ehrlich gemeinte Frage an Chris und alle Befürworter von Stuttgart21

Hallo Chris,

vielen Dank für den netten Kommentar zu meinem Bericht von heute früh! Schön, dass Du (als Proler) mitliest – und zumindest einige meiner Meinungen teilst.

Ich hätte da mal aus aktuellem Anlass eine sehr ernstgemeinte Frage: Wenn ich jetzt schon wieder mitverfolge, wie viel auch in Sachen AKW von allen Seiten offensichtlich gelogen und hingebogen wird (Gönner, EnBW etc.), wie kann man dann noch ernsthaft weiterhin für ein Projekt wie S21 sein, bei dem man eigentlich gezwungenermaßen davon ausgehen muss, dass auch dort derselbe Filz und Lug und Betrug herrscht? Handelt die Regierung und handelt die Bahn als typischer Vertreter eines wie die Energiekonzerne von der öffentlichen Hand abhängigen Konzerns hier komplett anders als bei den AKW? Sind die geplanten Tunnel durch Anhydrit und die S21-Sicherheitskonzepte genauso sicher und durchdacht wie Neckarwestheim I und die Atomlaufzeitverlängerung? Wie ist es mit dem Grundwasser und den Mineralwasservorkommen? Haben die Projektplaner alles genauso gut im Griff, wie die Befürworter der Kernkraft? Neckarwestheim I wird ja nun überraschend für immer abgeschaltet, obwohl es noch vor wenigen Tagen 100% sicher war! Zumindest hat man uns das glauben gemacht! Ist nicht davon auszugehen, dass auch bei Stuttgart21 die „Annahmen“, mit denen gerechnet wurden, nur die Szenarien einbeziehen, die man sich noch gut vorstellen kann, aber Szenarien und Verkettungen von Vorfällen, die „sehr unwahrscheinlich“ sind (aber eben doch auch möglich!), einfach nicht berücksichtigt wurden? Muss auch bei S21 erst ein riesiger Unfall passieren (Unfall im Tunnel, Quellen des Anhydrits, Probleme mit dem Grundwasser, Versiegen des Mineralwassers etc.), damit die Hybris der Projektbefürworter ein Ende hat?

Wie bekommen Befürworter von S21 diese unterschiedliche Bewertung von risikobehafteten Großprojekten (S21 – AKW) in ihren Köpfen zusammen? Warum soll für ein Großprojekt eine Ehrlichkeit gelten, die bei anderen Großprojekten offenkundig nicht gilt? Warum sollte jemand, der bei einem Großprojekt lügt, beim anderen die Wahrheit sagen? Mit erschließt sich das einfach nicht! Und wenn ich nicht sicher sein kann, dass S21 das Versprochene leistet und ordentlich und nach dem neuesten Stand der Technik und Sicherheit gebaut wird, wie kann ich dann guten Gewissens dafür sein?

Ich habe spätestens jetzt den Glauben an die herrschende Politik verloren – und hoffe, dass die Grünen wenigstens etwas anständiger und ehrlicher zu ihren Wählern sind (wobei ich auch die Grünen keine 57 Jahre an der Macht haben wollte).

Viele Grüße und oben bleiben!

Dominik

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4 Antworten zu 15.03.2011 #s21 #akw Ehrlich gemeinte Frage an Chris und alle Befürworter von Stuttgart21

  1. Chris schreibt:

    Hallo Dominik,mhm ich versuche da du mich direkt angesprochen hast mal einigermaßen zu antworten. Vorne weg….ich gehöre keiner Partei an und bin auch kein Angestellter der Bahn. Ich arbeite bei nem großen deutschen Unternehmen und besitze ein selbst erworbene BC100 die ich zu größten Teilen selbst bezahle (ein kleiner Anteil übernimmt der AG). Das wollte ich nur dir vorne weg mitteilen damit du besser verstehst was jetzt folgt.Ja ich lese deine Berichte so gut wie täglich und freue mich auch immer so „mitzubekommen“ was man von der anderen Seite so denkt und wie die Sicht dort ist. Sorry das Parkschützer-Forum kann ich mir nicht antun, denn ich ein Feind von zu großer Parteipolitik. Und viele Statements dort sind mir einfach viel zu viel Werbung für die Linken oder die Grünen….ich lese gern die Facebook-FürS21 Seite aber dort ist es leider sehr oft genau andersrum und es wird Werbung für CDU/FDP gemacht. Da du mir aber „sympathisch“ vom Schreibstil rüberkommst und absolut nicht bezahlt wirkst (von wem auch immer) lese ich gern bei dir ja.So zu deinen Fragen…ich finde die Katastrophe in Japan verheerend, absolut grausam und bitter. Mein aller tiefstes Mitgefühl haben diese Menschen dort, vor allem auch wegen Ihrer Gelassenheit. Traurig finde ich hingegen Deutschland in dieser Zeit und zwar ALLE Parteien… SPD/Grüne betreiben dank Wahlen Politik zu Lasten der Menschenopfer dort und CDU/FDP zünden Maßnahmen um zu zeigen wie „leistungsfähig“ sie doch sind.Keiner hierzulande geht auf das Leid der Menschen ein oder berichtet davon, ständig hört man immer nur noch AKW hier und AKW da….ich finde es schlimm dass ausschließlich von dem Horror Fukushima berichtet wird und nicht um die Menschen.Zum Thema AKW…..ich bin zwiegespalten….ich bewundere diese Technik aber ich bin mir ziemlich sicher dass der Mensch diese nicht nutzen sollte, denn er hat nie die Kontrolle über das ganze. Man sieht was Atombomben bewirken und ja man sieht auch was Atommeiler bewirken können. Ich finde es gut dass jetzt Wahlen bei uns sind…niemals hätte man NKW I so schnell abgeschalten (dauerhaft) wenn nicht Wahlen wären. Jedoch bitte ich auch zu beachten, dass auch „Rot-Grün“ jetzt sicher nicht alle AKW’s abschalten würde und zwar dauerhaft und sofort…wieso ich das nicht glaube….Lobby… du kannst mir jetzt erzählen dass Schwarz-Gelb dafür Meister sind aber ich sage dir…dass Schröder nicht von ungefähr den Beinamen „Genosse der Bosse“ trug… Hartz4 & Co. Für mich schafft Politik Rahmenbedinungen mehr aber auch nicht!!! Das bedeutet dass man mir einen Rahmen schafft indem das Miteinander möglich ist aber das wars dann auch schon….Hr. Fischer von den Grünen ist jetzt nicht unbedingt frei von Filz, Hr. Schlauch mit seinem Privat-Porsche sicher auch nicht, Hr. Özdemir hat einen Hang zum Fliegen….Warum ich CDU wohl unterstütze (damit meine ich wählen) weil Sie mit meinen Interessen ziemlich ähnlich sind. Was mich ärgert ist, dass Schwarz-Gelb die Pest ist..(Bundespolitik) dort finde ich es untragbar, da verfällt die CDU der FDP….Die FDP ist meiner Meinung einfach nur wirtschaftlich denkend und tut alles für Ihre Lobbyisten..alles..die CDU verfällt dem LEIDER bundespolitisch auch immer. Landespolitisch sehe ich die CDU deutlich besser, warum…..weil ich froh bin in einem stabilen und wirtschaftlichen guten Land zu leben. Bayern und BW sind nunmal wirtschaftlich herausragend und da spielt ein gewisser Filz sicher auch eine Rolle. Wenn ich mir nämlich gerade andere Länder anschaue so ist es doch traurig, Rot-Grün in NRW wollen Schulden bis zum Erbrechen machen und scheitern grandios vor dem Verfassungsgericht. Berlin (Rot-Rot) lebt vom Länderfinanzausgleich und der Bürgermeister springt eigentlich nur auf Partys umher. In Hamburg waren die Grünen auch nicht grad beispielhaft für menschliche Politik (Elbflorenz, Kohlekraftwerk). Mir gefällt nicht die Aussicht ein Nehmerland zu werden mit einer Rot-Grünen Regierung unter Tolerierung der SED äh sorry Linken. Auch wenn es sich schön anhört, keine Studiengebühren, alles fließt in Bildung blabla…Ja ja das Land in dem Milch und Honig fließt. Bundespolitisch finde ich nach wie vor schwarz Gelb schrecklich, deutlich schlimmer als Schwarz-Rot….Landespolitisch wäre ich für Schwarz-Grün oder Schwarz-Gelb. So ich hoffe ich hab dich noch nicht erschlagen…..last not least S21:Yeah ich fahre sehr viel Bahn…sehr sehr viel und freue mich auf die kommenden Streiks der GDL *hust* und bin persönlich absolut für Schnellfahrstrecken. WARUM–> Ich möchte nicht von Stuggi nach FFM fliegen müssen wenn die Bahn das schnell und bequem schafft, diese ganzen innerdeutschen Verbindungen sind unglaublich wenn man bedenkt was man mit der Bahn schaffen könnte. Ein positives Beispiel ist Köln-Frankfurt Flughafen…eine Fahrzeit von 56 Minuten…traumhaft…toll…ersetzt alle Flugzeuge auf dieser STrecke und selbst mit dem Auto schaff ich es nicht…deswegen finde ich die NBS Stuttgart-Ulm sehr sehr gut. So jetzt zu S21..FF-Flughafen ist leider auch gleich ein negativbeispiel: Dank dem Frankfurter Kopfbahnhof hat sich die Bahn entschieden dass der Flughafen zum Drehkreuz wird und der HBF sekundär läuft….das heißt ich muss ständig aussteigen und dann umsteigen um nach FFM zu kommen und ich möchte nicht dass wegen nicht Realisierung von S21 das gleiche passiert, man baut von Mannheim ne NBS zum Stuttgarter Flughafen und von da kann man dann schauen wie man nach Sttutgart HBF kommt. Mir ist als Vielfahrer die Zeit deutlich wichtiger die ich privat dann wieder für mich hab als die „schöne“ aussicht in den Zügen… ich fahre ja auch U-Bahn und heule nicht über die Tunnels…somit habe ich wenig Bezug zur ach so schönen Landschaft… Ich habe also Bedenken, dass wenn S21 nicht realisiert wird, auch nie das ähnlich teure K21 (sorry das ist doch nur ein Hirngespinst es gibt keinen festen Plan sondern Module die ständig angepasst werden, so klappt das aber nur bis zur Planfeststellung)sondern eine Art Flughafen 21 ohne Anbindung von Stuttgart, dann fährt man zwar schnell nach FFM aber braucht vom Flughafen ewig zum HBF. Zu den Risiken, ich halte persönlich viel von unseren Ingenieuren…somit glaube ich, dass sicher Risiken auftreten werden ..wahrscheinlich beim Bau, bin mir aber sicher dass diese beherrschbar sind. (Sorry ich rede von Tunnels NICHT von AKWs) Das ist meine Meinung…ich finde die Risiken von AKWs weniger beherrschbar auch wenn mir das die Politik sagt….aber von Tunnels hat unsere Stadt schon eine Ahnung und ich glaube DANK eurem Protest wird umso besser bei dem Projekt geprüft wie man es technisch gut löst, weil man so in der Öffentlichkeit steht. JA ich fand den Protest beim Abriss des Nordflügels lachhaft weil sorry ich bin jung und trauere sicher nicht diesem Bau hinterher aber das mit dem Schloßpark kann ich eher nachvollziehen. Ich möchte hier nicht den 30.09 ausschlachten ein MvH der mir sagt „Das sind die Bilder die wir brauchten“ sagt alles und zeigt worum es diesen geht und das finde ich schrecklich, denn dieser trampelt genauso auf eure Wünsche und Sorgen rum aufgrund seiner persönlichen Geltungssucht. Die Bahn betreibt in Deutschland ja einige Bahnhöfe deswegen glaube ich auch, dass diese in der Lage ist, die Kapazitäten zumindest im Ansatz richtig zu rechnen…dass ein Großprojekte immer Fehler hat und deutlich besser wird wenn Menschen mitreden ist leider so….aber gut die Bahn denkt sparsam und nicht immer an die Zukunft….aber grundsätzlich halte ich S21 für ein modernes zukunftsweisendes Projekt mit beherrschbaren Risiken (Ja du kannst mir sagen dass das die Floskeln sind, aber ich denke persönlich dass dies zutrifft). Der jetzige Bahnhof finde ich wirklich nicht als Vorzeigeschild für Stuttgart und ob K21 wirklich so toll und ohne Bürgerproteste durchgeht…da wäre ich vorsichtig insbesondere wenn man alle Module verwirklichen würde…Ich komme zum Ende:Politik ist nur dazu da, Rahmen zu schaffen und selbstverständlich müssen Politiker die Menschen anlügen….das ist in der Regel auch völlig ok, denn alles wollen wir gar nicht wissen….es gibt sicher genug Themen bei denen auch du sagst. das interessiert mich jetzt überhaupt nicht und dafür soll die Politik die Entscheidungen treffen. Dass dies uns nicht immer gefällt liegt in der Natur der Sache…..man kann es nie allen Menschen Recht machen, das ist unmöglich. Traurig finde ich die Scheinheiligkeit, sorry der Wind weht von Frankreich oft nach BW und weißt du was…in Frankreich sind DEUTLICH mehr AKWs als in Deutschland und die werden sie sicher nicht abschalten…auch wenn wir davon träumen bzw. ein Gabriel vielleicht gerne uns erzählen will. Was mir nicht gefällt, dass ihr euch an dem 27.3 so aufhängt und glaubt dann wird die Sonne ewig scheinen. Selbst wenn Herr Mappus nicht mehr gewählt wird und die CDU keinen MP mehr stellt, meinst du dann hört der Filz und das ganze auf…..Sorry dann guck dir mal andere Bundesländer an und erzähl mir dann immer noch ob du dir sicher bist ob dort nicht Filz bei anderen Parteien genauso an der Tagesordnung ist. Oder wieso ist Ex-Kanzler Schröder in Russland und Ex-Außenminister Fischer in der Wirtschaft als „Consultant“ das liegt sicher nicht an deren außergewöhnlichen Leistungen für die Menschen.Wir Menschen wollen eine heile Welt und wollen angelogen werden, wenn es Schwarz nicht macht wird mir ein Hr. Schmid erzählen wie toll doch angeblich das Projekt X ist….und auch dann werd ich Filz und Lug finden…Deswegen DANKE für Deinen Protest (Auch wenn er mir manchmal zu weit geht…..) Lieber wäre er mir wenn er konstruktiv wäre anstatt einfach gegen S21 aber ich akzeptiere deine Meinung und hoffe ich konnte dir zeigen, dass auch ich nur ein Mensch bin und auch „Proler“ nicht nur Schwarze Lemminge sind _*g*Achja Fehler darfst behalten wenn du sie findest bei einem so langen Text…Viele Grüße und jetzt mal niveaulos zum Abschied (auf Anspielung zu oben bleiben) Tu ihn unten rein^^

  2. Zwuckelmann schreibt:

    Hallo Chris,vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich will einiges daraus kommentieren.Auch ich bin Bahnfahrer, besitze kein Auto und bin deshalb auf einen funktionierenden ÖPNV angewiesen. Ich gehöre auch keiner Partei an – und werde meisten etwas ungläubig angesprochen, weil ich offensichtlich so gar nicht recht in das Bild des S21-Protestlers passe.Ich gebe Dir Recht, dass es traurig ist, dass viel zu wenig über die menschliche Katastrophe in Japan berichtet wird und auch die Parteien das zu wenig tun, sondern sich alles darauf stürzt, um sich über diese Ereignisse in irgendeiner Weise zu profilieren.Du hast grundsätzlich auch Recht beim Thema AKW, auch ich bewundere die Technik, glaube aber auch, dass die Risiken einfach nicht beherrschbar sind und dass man deshalb von dieser Technik Abstand nehmen sollte. Und klar, auch Grün und Rot, selbst die Linken werden gegen Lobbyismus nicht gefeit sein und die Atom-Lobby ist neben der Pharmalobby sicher eine der einflussreichsten. Eine umso größere Leistung war es aber doch gerade vor diesem Hintergrund, dass Schröder den Atomausstieg beschließen konnte und sich eben nicht die Atomlobby durchsetzen konnte. Ich finde, dass der Weg des Ausstiegs der richtige gewesen ist. Der vereinbarte Ausstieg war ja auch kein abrupter, sondern ein langsamer, angemessener. Die Meiler hätten ja auch mit dem Ausstieg noch viele Jahre Strom produziert. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber: NKW1 wäre bereits abgeschaltet, Philipsburg 1 auch bald. Der Weg war doch der richtige! Was jetzt die Regierung veranstaltet, ist doch blinder Aktionismus, der rein durch die Wahlen getrieben wird und nichts mit einer grundsätzlichen Infragestellung der Atomenergie zu tun hat. Ganz im Gegenteil war doch die Laufzeitverlängerung ein offensichtlicher Kniefall der Regierungskoalition vor der Atomlobby!Und selbst wenn wir übergangsweise vielleicht für Spitzenzeiten Strom aus Kernenergie aus Frankreich einkaufen müssen, spricht ja nichts dagegen, Vorreiter im Atomausstieg und in der breiten Nutzung alternativer regenerativer Energien zu sein. Der politische Wille fehlt einfach bei der CDU und der FDP.Vielleicht hast Du Recht damit, dass Filz nicht immer von Nachteil ist. Schwierig ist allerdings, wenn der Filz überhand nimmt. Muss es nicht so sein, dass nach 57 Jahren CDU-Regierung hier im Land der Filz überhand genommen hat? Wie anders ist es zu erklären, dass die Polizei gegen sich selbst ermitteln darf? Dass der TÜV, der auch der EnBW gehört, die Sicherheit der EnBW-Anlagen zertifiziert? Dass ein Duz- und Parteifreund von Mappus den EnBW-Deal ohne Ausschreibung einfädelt und Millionen daran verdient? Beispiele gibt es ja genügend. Filz wird es bestimmt auch unter einer anderen Regierung geben, aber wichtig finde ich, den bestehenden Filz einfach einmal aufzubrechen. Wie gesagt, ich will auch nicht, dass Grün 57 Jahre lang hier regiert, ganz sicher nicht! Sobald der Filz aber gefährlich wird, weil er sich zum Nachteil der Bürger wendet und Grundrechte beugt, muss man etwas dagegen tun. Wenn die Staatsanwaltschaft nicht mehr unabhängig agiert oder wenn die Polizei zum Spielball der Politik wird, hört für mich der Spaß auf! Und ich bin mir nicht sicher, ob der wirtschaftliche Erfolg von Bayern und Baden-Württemberg tatsächlich so stark von der Regierung abhängt, wie Du es darstellst. Meinst Du ernsthaft, dass eine Grüne Landesregierung den wirtschaftlichen Erfolg, den Erfindergeist, die Schaffe-Schaffe-Häusle-Baue-Mentalität im Ländle beeinflussen kann? Ich bezweifle sehr, dass wir durch eine Grüne Regierung zu einem Nehmerland würden. Die Situationen in NRW, Berlin und Hamburg sind sicher nicht mit BW zu vergleichen.Und auch noch ein Wort zu S21: Der Ausbau der Strecke Ulm-Stuttgart ist richtig und nur zu befürworten. Wo eine solche Schnellfahrstrecke genau liegen soll, darüber kann man sich sicher streiten. Bei meinem Widerstand gegen S21 geht es mir primär nicht um die NBS, sondern um den Tiefbahnhof. Das sollte man unbedingt trennen, denn man kann diese beiden vollkommen unterschiedlichen Großprojekte nicht mit denselben Argumenten behandeln. Eine schnelle Anbindung von Stuttgart ist aber eben nicht abhängig von einem Durchgangsbahnhof, sondern durchaus auch mit Kopfbahnhof möglich. Genauso ist eine schnelle Anbindung des Flughafens an den bestehenden Hauptbahnhof möglich. So gibt es ja Konzepte von Flughafenexpress-Bahnen, die die Gäubahnstrecke nutzen und mit wenigen Zwischenhalten zum Flughafen fahren. Eine Lösung wie in Frankfurt mit Fern- und Hauptbahnhof ist sicher nicht glücklich und würde ich in Stuttgart auch nicht favorisieren. Aber es geht ja auch anders! K21 ist sicher nicht viel billiger (um das Geld geht es auch nur insoweit, als dass man Geld sinnvoll investieren muss!), aber wesentlich risikoärmer (geologisch wie wirtschaftlich!) und bürgerfreundlicher. Dass die Pläne zu K21 nicht so ausgereift sein können, wie bei S21, wo seit 15 Jahren geplant wird, ist ja logisch! Aber gerade der modulare Aufbau von K21 ist doch ein riesiger Vorteil! Ich kann Stück für Stück bauen, bin wesentlich flexibler, kann wesentlich besser auf die Bedürfnisse von Anliegern eingehen, kann abhängig von der wirtschaftlichen Lage bauen – das alles geht bei S21 nicht. Ich MUSS S21 so bauen, wie vor 15 Jahren geplant, habe kaum Freiheitsgrade, kann nicht modular bauen, weil Züge erst fahren können, wenn alles fertig ist!Im Übrigen hat man beim Engelbergtunnel auch geglaubt, dass die Risiken des Anhydrits beherrschbar seien – jetzt ist es ein millionenteueres Fass ohne Boden, das jedes Jahr aufwändig saniert werden muss, weil das Anhydrit quillt und quillt. Vertrauen weckt ja auch nicht, wenn die Dicke von Tunnelwänden aufgrund von Sparmaßnahmen und um im Kostenrahmen zu bleiben, einfach neu berechnet werden und es dann heißt, es sei egal, ob die Wände 1,5 oder 2 Meter dick seien, die Sicherheit sei so oder so gegeben. Ja aber warum hat man dann mit 2 Metern begonnen, wenn es egal ist?? Hier habe ich eben das Gefühl, dass auch die ingenieurstechnische Sicherheit zum Spielball der Politik wird, man ohne Reserven plant, auf Kante näht, nur um im Plan zu bleiben. Das kann doch nicht gut gehen! Wer ohne Reserven plant, hat fehlgeplant! Und die Bahn plant ohne Reserven!Die Bahn sollte eigentlich Bahnhöfe gut planen können. Skeptisch macht mich nur, dass sie einen leistungsfähigeren Bahnhof verspricht, diese höhere Leistungsfähigkeit aber nicht belegen kann und es genügend Gutachten renommierter Institute gibt, die die Planungen der Bahn anzweifeln. Die Bahn hält sich bedeckt, spielt nicht mit offenen Karten und macht sich deshalb verdächtig!Dass der Stuttgarter Bahnhof kein Aushängeschild für die Stadt ist, liegt vor allem daran, dass die Bahn seit 15 Jahren nur noch das nötigste an diesem Bahnhof macht! Sie lässt ihn zerfallen, weil das natürlich auch viele Leute dazu bringt, zu sagen, dass man bei so einem hässlichen Bau doch lieber einen neuen bauen soll. Man muss die Architektur des Bahnhofs auch nicht mögen. Bei so wenig alter Bausubstanz, die in Stuttgart existiert, finde ich es aber furchtbar, wenn gerade diese wenigen, und dazu noch architekturhistorisch wertvollen Überreste dann auch noch zerstört werden. Übrigens gibt es von Architekten Visualisierungen eines aufgehübschten Kopfbahnhofs, die ich wesentlich attraktiver finde als einen unterirdischen Sichtbeton-Durchgangsbahnhof. Die Bilder findet man hier: http://www.architektinnen-fuer-k21.de/download/download-der-k21-ausstellungsp… oder die gesamte Broschüre direkt an der Mahnwache am Nordausgang.Und jetzt komme ich auch zum Ende: die Wahl wird ganz sicher nur eine Zwischenetappe des Protests sein können. Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass gleichgültig welche Partei gewählt wird, S21 bestimmt nicht direkt nach der Wahl gestoppt wird. Aber für den Protest ist es einfach wichtig, zu wissen, mit wem man es nach der Wahl zu tun haben wird und ob es politische Gesprächsbereitschaft über das „Ob“ geben wird oder eben nicht. Du kannst mir glauben, dass der Protest wirklich anstrengend ist! Wieviele Monate geht das nun schon? Bei Mappus haben wir uns daran gewöhnt, dass politisch nichts mehr zu machen ist. Mit ihm über das „Ob“ zu reden, ist zwecklos, weil er nur über das „Wie“ reden will. Das führt dazu, dass wir eben alle anderen Formen des Protestes umso stärker nutzen müssen. Wenn nun eine andere Regierung käme, wäre es vielleicht auch wieder möglich, mit der Regierung zu reden. Das würde uns einfach weitere Möglichkeiten eröffnen, für Alternativen zu kämpfen, und damit auch die Wahrscheinlichkeit eines Baustopps erhöhen.Dass Du meinen Protest nicht konstruktiv findest, finde ich schade, denn ich kämpfe ja nicht nur gegen Stuttgart 21, sondern genauso und leidenschaftlich für einen schönen, modernen und leistungsfähigen Kopfbahnhof! Dass nicht alle Proler schwarze Lemminge sind, ist genauso richtig, wie dass nicht alle Gegner ungebildete Harz-IV-Empfänger sind. Der kleine Unterschied ist nur, dass euer Slogan „tu ihn unten rein“ wirklich niveaulos ist (ich weiß, es ist nicht euer offizieller Slogan ;-), während „oben bleiben“ ganz unabhängig vom Bahnhof einfach immer stimmt und immer eine gute Sache ist. Deshalb wünsche ich Dir, auch wenn Du gegen K21 bist, dass Du oben bleiben mögest :-)Viele GrüßeDominik

  3. Chris schreibt:

    Hallo Dominik,dir auch herzlichen Dank für deine wirklich nette und GUTE Antwort! Ich werde jetzt auch nur relativ kurz antworten, da ich keinesfalls „deine Seite“ als Diskussionsforum missbrauchen möchte! Das seht mir nicht zu und war auch nicht die Intention..Wie ich feststelle, haben wir grundsätzlich ja doch einige Deckungen bei den Meinungen was mich persönlich freut. Zur CDU noch kurz…ich weiß nicht ob der Filz m.A. schon zuviel ist…möglicherweise…wobei ich dir aber zustimme ist dass die Personalwahl ziemlich unglücklich ist. Auch ich bin persönlich jetzt nicht ein allzu großer Freund von Mappus, der hat Probleme mit seiner Sympathie…ganz anders als zu Guttenberg (es geht mir nur um dessen Sympathie mehr nicht). Auch sehe ich gewisse Dinge nicht so kritisch, der TÜV ist weiterhin für mich ziemlich neutral auch wenn er oft verbunden ist mit anderen Unternehmen. Früher gab es mal die Deutschland AG das war eigentlich eine einzige korrupte Bande^^.Bei der NBS sind wir ja uns einig, evtl. bei der Streckenführung müssten wir noch uns einigen… Was ich nicht ganz versteh, du denkst selbst nicht dass K21 unbedingt deutlich günstiger wird aber du setzt dich mit aller Kraft dafür ein obwohl du wegen der fehlenden Gesamtplanung (kein Vorwurf) nicht sicher sein kannst womit man alles rechnen muss. Achja von den Modulen halte ich gar nix, ich kenne die Bahn…das läuft dann leider so wie Dr. Kefer gesagt hat. Wir bauen Modul1 +2 dann 2 Jahre Stillstand dann wieder neue Baustellen und dann Modul 3 usw usw…ich habe Angst dass es wirklich dann durch die Module einfach zu lange dauert…Gerade weil die Bahn in solchen Dingen sich desöfteren nicht mit Ruhm bekleckert hat.K21 die Bilder finde ich schön und gelungen aber mich reißen sie nicht so mit wie S21 ….ich will das jetzt nicht anders darstellen,es liegt nur daran, dass ich z.B. die Gesamtdarstellung des Tunnelbahnhofs schön finde…Außerdem nerven mich die zuvielen Gleise des Kopfbahnhofs….erst von ziemlich weit draußen in die Haupthalle und dann wieder raus …Der Weg ist mir einfach naja doof^^Gut ich bin eben unsicher…ich weiß nicht wie ich dich einstufen soll…manchmal schreibst du wie ein unverbesserlicher Protestler und jetzt wieder ganz konstruktiv.^^Deswegen bin ich nicht ganz sicher ob du wirklich für K21 kämpfst oder einfach nur gegen S21….Das „Tu ihn unten rein“ war ja auch absolut nicht Ernst gemeint…aber ich muss nicht immer „oben bleiben“ So…. danke nochmal dir weiterhin viel Kraft und Mut für deinen Protest.Mal sehen was nach der Wahl noch an Baustellen so kommt :-)Ich freu mich wenn die Polizei den Protest aufgelöst hat und weitergebaut werden kann und du wahrscheinlich dass du möglich lange es aufgeschoben hast^^Gruß abschließend Chris

  4. Evelin schreibt:

    Ich grätsch jetzt mal hier in euer Gespräch rein ;-)Übrigens ein wirklich gelungener Dialog, sachlich, respektvoll, „gefällt mir“ :-)Ich sehe das Problem mit K21 ähnlich wie Chris. Alles wird auf die lange Bahn geschoben und keiner weiß wann es letztlich realisiert wird. Man erzählt den Menschen es könne sofort „losgehen“, was einfach so nicht stimmt. Bei den Modulen sollte schon vorher feststehen, was man will und wie man es will. Es kann doch nicht angehen, dass man heute etwas baut um nachher festzustellen, das bestimmte Module so nicht realisierbar sind. S21 wurde über viele Jahre geplant, verbessert und wenn man diesem heute vorwirft es sei veraltet, da man ja schon solange daran arbeitet, dann ist es schlichtweg falsch. Es ist ja nicht so, das vor zig Jahren das Konzept auf den Tisch kam und dann ewig in der Versenkung lag und heute wieder rausgekramt wurde.Das selbe würde bei einer Planung von K21 (will man es richtig machen) auch geschehen. Es müssen detailierte Pläne her, die Umsetzung muss geplant werden und man sollte vorher wissen, ob man es so realisieren kann.Viele Menschen wollen kein „Milliardengrab“. Ok, es geht um wirklich viel Geld, aber das ist bei K21 nicht anders. Wenn ich mich mit S21-Gegnern unterhalte habe ich schon oft gehört „K21 brauchen wir auch nicht“. Diese Menschen wollen einfach nur eine Sanierung fertig.Und wenn man dann den Menschen die K21 wirklich betreffen würde wegen der Trassenführung ect. reden würde, so könnte man heut schon feststellen, dass auch hier Widerstand droht.Für mich wäre es akzeptabel, wenn man endlich wirklich Position zu K21 beziehen würde und sich nicht hinter dem Widerstand zu S21 versteckt. Ist es wirklich sinnvoll erstmal ein Projekt abzublasen, ohne zu schauen was die Alternative mit sich bringt?Haben die S21-Gegner auch ihre Alternative mal so unter die Lupe genommen wie sie es bei S21 tun?Soviel Verständnis erwarte ich schon und ich denke das ist nicht zuviel verlangt.Ich sehe nicht nur „Filz“ hinter dem Projekt S21, denn meiner Meinung nach gibt es viele gute Gründe S21 zu bauen.Ich halte nichts von einem Gleisbiotop, wenn die Stadt die Möglichkeit hat sich im Kern zu erweitern. Und ich habe auch nichts gegen Immobilien, denn sie gehören zur Stadt :-)Sicher gehört eine sinnvolle Verwendung und Gestaltung dazu und ich denke hier war der Protest an sich sinnvoll, denn er kann auf diesem Bereich viel bewirken.Aber das die Kö ausstirbt oder ähnliches weil ein großes neues Einkaufcenter kommen soll ist für mich schwarzmalerei. Eher zieht es noch mehr Menschen aus der Umgebung an und ein Einkaufcenter hat lang nicht den Charme einer Einkaufsstraße…Zum Schluss einfach nur nochmal die Anmerkung: für mich ist ein Stopp von S21 nur dann sinnvoll, wenn die Menschen über die Alternative aufgeklärt sind und diese für besser befinden. Also nicht nur die Gegnerschaft S21, sondern alle Menschen in Stuttgart und dem Umland. Und unter Aufklärung verstehe ich nicht Prospekte mit Fakten gegen S21, sondern eine klare Aussage zu K21, mit allem was dazu gehört. Ich akzeptiere keine Modulbauweise, bei der ich nicht weiß, was am Ende wirklich werden soll. Erweiterungen ok, aber nicht Teilgebiete, die je nach Bedarf Proteste erregen werden und die Stadt nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn K21 wirklich so toll ist, dann sollte man sich mal fragen, warum die Protestparteien dieses bisher nicht in den Mund nehmen…

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